Digitalisierung ist derzeit als Thema in aller Munde, schließlich gehen damit tiefgreifende gesellschaftliche und politische Herausforderungen einher. Was denken die Menschen in Deutschland über die Digitalisierung? Wie wird sie wahrgenommen und welche Gestaltungswünsche haben die Menschen?

Dieser und anderer Fragen geht das Projekt „Für ein besseres Morgen“ der Friedrich­-Ebert­-Stiftung (FES) nach und möchte “progressive Antworten auf die gro­ßen wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft formulie­ren.” Teil des Projekts ist eine Onlinebefragung durch das Online-Erhebungsinstitut Civey, deren Ergebnisse von der FES ausgewertet wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten dem technologi­schen Wandel durchaus aufgeschlossen gegenüberstehen. Über zwei Drittel der Befragten schätzen den Nutzen der technologischen Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre hoch bzw. eher hoch ein. Ein fast genauso hoher Anteil der Befragten ist jedoch der Auffassung, dass der Fokus bei der Entwicklung digitaler Technologien bisher nicht auf den Be­dürfnissen der Menschen liegt. Aufschlussreich sind in die­sem Kontext die Einschätzungen zur Frage, wer die Digitali­sierung gestaltet. Die überwiegende Mehrheit ist hier der Meinung, dass große Internetunternehmen wie zum Beispiel Google gegenwärtig den größten Einfluss auf die Digitalisie­rung ausüben. Politische und gesellschaftliche Akteure spie­len demgegenüber in der Wahrnehmung der Befragten nur eine Nebenrolle.

Gefragt, wer die Digitalisierung tatsächlich gestalten sollte, zeigt sich ein umgekehrtes Bild: Die Befrag­ten wünschen sich, dass an Stelle der mächtigen Großkon­zerne insbesondere Politik und Staat, aber auch Start­ups und mittelständische Unternehmen sowie zivilgesellschaftli­che Akteure und nicht zuletzt die Internetnutzer_innen selbst eine aktivere Rolle spielen. Bei der Frage, wer die Digitalisie­rung steuert, besteht also eine erhebliche Diskrepanz zwi­schen Wunsch und (empfundener) Wirklichkeit. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass der Blick der Men­schen in die Zukunft skeptischer ausfällt als die Bewertung der bisherigen Digitalisierungsbilanz.

Bei der Frage, ob die Digitalisierung das Leben der Menschen in Deutschland nachhaltig verbessere, zeigt sich ein gespaltenes Bild. Wäh­rend knapp die Hälfte der Befragten diese Frage bejaht, sieht über ein Drittel keine nachhaltige Verbesserung der Lebens­umstände. Die Hälfte der Befragten geht zudem davon aus, dass die Digitalisierung die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland noch verstärken wird. Nur zehn Prozent glau­ben, dass die Digitalisierung zu mehr Gleichheit führt. Die Digitalisierung wird also durchaus als eine Macht­ und Verteilungsfrage wahrgenommen. […]

Die Menschen wollen auf den Wandel aber nicht nur reagie­ren. Zwei Drittel möchten grundsätzlich mehr mitbestimmen, wie digitale Technik an ihrem Arbeitsplatz verwendet wird. 60 Prozent finden, dass die Rechte von Betriebsräten und Beschäftigten im Kontext der Digitalisierung gestärkt werden sollten. Es geht den Menschen beim digitalen Wandel der Arbeitswelt also nicht nur darum, mithalten, sondern auch mitgestalten zu können. Auch hier ist Politik gefordert, dem Wunsch der Menschen nach mehr Mitsprache und Mitbe­stimmung bei der Digitalisierung gerecht zu werden – insbe­sondere dort, wo der Wandel das eigene Leben unmittelbar betrifft, wie etwa am Arbeitsplatz.

Quelle: Stefan Kirchner, Zeit für ein Update. Was die Menschen in Deutschland über Digitalisierung denken, Bonn 2019. S. 2/3.

Diese und weitere Ergebnisse finden Sie unter www.fes.de oder in der Studie hier zum Download.

 

Was denken die Menschen in Deutschland über die Digitalisierung? – Ergebnisse einer Umfrage
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